Umfahrung Wolhusen LU: Zweckmässigkeitsbeurteilung abgeschlossen

Der Kanton Luzern hat das Verkehrsproblem in Wolhusen mit einer Zweckmässigkeitsbeurteilung untersucht.

Der fachliche Prozess ist nun abgeschlossen. Mit der Variante Null+ und der Süd-Umfahrung SU1 liegen zwei Lösungsvarianten vor, die in den politischen Entscheidungsprozess aufgenommen werden.

Die Variante Null+ erreicht in der Gesamtbetrachtung die höchste Punktzahl. Darauf folgt die Umfahrungsvariante SU1. An der Informationsveranstaltung am 28. November 2023 werden die detaillierten Ergebnisse der Bevölkerung und interessierten Kreisen präsentiert.

Mit der Zweckmässigkeitsbeurteilung (ZMB) Umfahrung Wolhusen Süd hat der Kanton Luzern das Verkehrsproblem in Wolhusen im engen Austausch mit der regionalen Begleitgruppe aus rund 30 Vertreterinnen und Vertretern der Gemeinden und der Region analysiert und Lösungsvarianten geprüft.

Der ursprüngliche Variantenfächer von 11 Verkehrslösungen reduzierte sich im Verlauf der Untersuchungen auf noch 5 Varianten, die in der Schlussbewertung miteinander verglichen wurden. Die Resultate zeigen, dass die Variante Null+ insgesamt auf dem ersten Rang abschneidet – sowohl mit der fachlichen Gewichtung des Kantons als auch mit dem von der regionalen Begleitgruppe erarbeiteten Gewichtungsschlüssel. Die Variante Null+ verzichtet auf eine Umfahrung und strebt stattdessen die Verbesserung der Situation auf dem bestehenden Strassennetz an und sieht den Ausbau des öffentlichen Verkehrs (öV) vor. Die Verkehrsbelastung in Wolhusen und Werthenstein bleibt mit Null+ hoch. Der Verkehr kann jedoch mit Tempo 30 und einem Verkehrsmanagement verträglicher gestaltet werden. Bei den Umfahrungslösungen liegt die Bewertung der Süd-Umfahrung SU1 leicht vor der SU2.

Umfahrungslösungen mit hohen Kosten und Baurisiken

Ein wesentlicher Grund, warum die Umfahrungslösungen weniger gut abschneiden, sind die hohen Kosten und die grossen Baurisiken. Die teuerste und zugleich komplexeste Variante ist die Süd-Umfahrung SU1 in Kombination mit der Aufhebung des Niveauübergangs Hackenrüti. Die Kosten sind mit 300 Millionen Franken sehr hoch. Neben dem Tunnelbau ist auch der Bau eines Hochkreisels, um den Bahnübergang aufzuheben, sehr anspruchsvoll, weil er unter laufendem Bahn- und Strassenverkehr erfolgen müsste. Gleichzeitig schont diese Tunnelführung Naherholungsgebiete, Landwirtschaft sowie das Gewerbe- und Industriegebiet in Richtung Luzern. Die bautechnischen Risiken der Umfahrungsvarianten SU1 und SU2 liegen wesentlich tiefer, die Kosten sind mit über 200 Millionen Franken dennoch beträchtlich.

Die ebenfalls geprüfte Zentrumsentlastung mit offener Linienführung schneidet punkto Kosten mit rund 100 Millionen Franken gut ab. Die Eingriffe in das Orts- und Landschaftsbild sowie in die Umwelt den Gewässerraum der Kleinen Emme sowie in das Gewerbe- und Industriegebiet sind aber sehr gross.

Alle Umfahrungsvarianten weisen eine gute verkehrliche Wirkung auf und führen zu einer relevanten Verkehrsreduktion in Wolhusen und Wolhusen-Markt, was auch für die Mobilität in der ganzen Region Vorteile bringt. In der fachlichen Gesamtbetrachtung vermögen die Vorteile einer Umfahrungslösung wie Verkehrsentlastung und Reisezeitgewinne die hohen Kosten und Risiken aber nicht wettzumachen.

Null+ bedeutet nicht Status Quo

Die Variante Null+ hat hauptsächlich zum Ziel, den Verkehr siedlungsverträglicher und sicherer abzuwickeln und dabei auch Verbesserungen für den öV, den Fuss- und den Veloverkehr zu realisieren. Als Hauptmassnahme ist ein regionales Mobilitätsmanagement vorgesehen, dessen Kernelement ein attraktives öV-Angebot und ein erweitertes Angebot an Fuss- und Velowegen ist.

Entlang der Bahnhofstrasse und in dichten Siedlungsgebieten soll der Verkehr mit Tempo 30 verträglicher gestaltet werden. So kann der Verkehr insgesamt flüssiger und zuverlässiger gestaltet werden, was allen Verkehrsteilnehmenden zugutekommen wird. Die Verkehrsbelastung bleibt aber gross und der Spielraum für die Aufwertung der Strassenräume ist gering.

Aufwendiger Variantenvergleich

Der Schlussempfehlung des Planungsteams ist ein aufwendiger Bewertungsprozess vorangegangen. Die Bewertung erfolgte mit drei verschiedenen Methoden, berücksichtigte sowohl eine kantonale als auch eine regionale Gewichtung der Bewertungskriterien und verglich die Varianten in zwei unterschiedlichen Verkehrsszenarien, einmal ohne zusätzliches Verkehrswachstum (Szenario 2017) und einmal mit einer weiteren Verkehrszunahme (Szenario 2040). Die Variante Null+ liegt bei praktisch allen Vergleichen vorn. Darauf folgt Umfahrungsvariante SU1.

Nächste Schritte

Mit Abschluss der ZMB liegt eine rein fachliche Empfehlung zur Rangfolge der Varianten vor. Für die Entscheidung braucht es nun eine politische Interessenabwägung. Die Ansprüche an eine Verkehrslösung sind vielfältig. Zudem betreffen sie nicht nur die Gemeinden Wolhusen und Werthenstein, sondern die ganze Region. Dazu gehört auch die Einordung in die Mobilitätsstrategie, welche die Lösungsvarianten unter Berücksichtigung der Raumtypen und deren Mobilitätsbedürfnisse beurteilt. Ausserdem wird mit Blick auf die finanziellen Rahmenbedingungen zu klären sein, welche der Varianten weiterverfolgt werden kann.

Informationsanlass am 28. November 2023

Der Kanton Luzern stellt am 28. November 2023 die detaillierten Ergebnisse der ZMB Umfahrung Wolhusen Süd vor. Die Bevölkerung ist herzlich eingeladen, teilzunehmen:

  • 28. November 2023, 19.00 Uhr
  • Rössli ess-Kultur, Menznauerstrasse 2, 6110 Wolhusen

 

Quelle: Kanton Luzern
Bildquelle: Kanton Luzern